Der Weißstorch in der Südlichen Leineaue

Storchennest

Historische Brutstätten bis 1980

Bis zum Jahr 1910 war der Weißstorch ständiger Brutvogel in den Ortschaften Laatzen, Gleidingen, Wilkenburg und Harkenbleck. 1925 war nur noch der Laatzener Horst besetzt, bis dieser 1933 aufgegeben wurde. In den Folgejahren erfolgten nur unregelmäßig Bruten in Harkenbleck oder Wilkenburg; ab spätestens 1944 gab es keine Storchenbruten mehr im Bereich der Leineaue.

Erst 1956 wurde der Brutplatz am Gut Wilkenburg wieder besetzt. Die erste Brut erfolgte 1961, den letzten Bruterfolg gab es 1973. Bis 1980 war dieses Nest dann noch regelmäßig besetzt, es fanden aber keine Bruten mehr statt. Der Brutplatz in Gleidingen wurde, nachdem er nach dem 2. Weltkrieg regelmäßig besetzt war, 1972 aufgegeben.

Storch

Neuansiedlung in Grasdorf nach 1980

Trotz der fortwährenden Abnahme der bundesweiten und der niedersächsischen Weißstorchbestände - die Talsohle wurde erst 1988 durchschritten - siedelte sich zu Beginn der 1980er Jahre wieder ein Weißstorchenpaar in Grasdorf an. Das Nest wurde im Frühsommer 1983 auf einem Leitungsmast nahe der Leine gebaut. Im Spätsommer 1983 wurde es durch ein von Mitarbeitern der Stadtwerke Hannover AG (Wasserwerk Grasdorf) gebautes Gestell stabilisiert. In den folgenden Sommern war das Nest unregelmäßig besetzt, eine Brut fand nicht statt. Erst 1989 brütete der Weißstorch erstmals wieder erfolgreich. Das Paar auf dem Grasdorfer Nest zog zwei Jungvögel groß.

Bruterfolge des Grasdorfer Weißstorchenpaares seit 1989
Seit dem ersten Bruterfolg 1989 ist der Weißstorch wieder regelmäßiger Brutvogel im Grasdorfer Bereich der Südlichen Leineaue. Erfolglose Jahre bleiben nicht aus, aber insgesamt sind seit 1989 bislang über 40 Jungvögel aus dem Nest ausgeflogen:

  • 1989 2 Jungvögel
  • 1990 2 Jungvögel
  • 1991 Brutversuch, keine Jungvögel
  • 1992 4 Jungvögel (von denen einer verunglückte)
  • 1993 4 Jungvögel
  • 1994 4 Jungvögel
  • 1990 2 Jungvögel
  • 1995 1 Jungvogel. Ein Altvogel war während der Brut verunglückt (Leitungsanflug), so daß der andere Altvogel alleine nur einen Jungvogel "durchfüttern" konnte.
  • 1996 Erfolgreiche Neubesetzung, 3 Jungvögel
  • 1997 2 Jungvögel
  • 1998 2 Jungvögel
  • 1999 Erfolgreiche Neubesetzung, 3 Jungvögel. Das beringte Weibchen war Ende 1994 in Spanga (Niederlande) beringt worden und hatte 1998 in Rethem (Aller) gebrütet.
  • 2000 4 Jungvögel
  • 2001 Kein Bruterfolg
  • 2002 4 Jungvögel
  • 2003 3 Jungvögel
  • 2004 3 Jungvögel
  • 2005 3 Jungvögel
  • 2006 2 Jungvögel
  • 2007 2 Jungvögel
  • 2008 3 Jungvögel
  • 2009 3 Jungvögel
  • 2010 4 Jungvögel
  • 2011 2 Jungvögel

Bruterfolge des Weißstorches in Alt-Laatzen

Im Jahr 2005 baute ein Weißstorchenpaar ein Nest im Bereich Luftbad/Fugenwinkel. Zu einer Brut kam es nicht. Als dieses Baumnest im Frühjahr 2006 bei der Ankunft bereits durch eine Graugans besetzt war, wich dieses Paar auf eine Kastanie in einer Kleingartenkolonie in Alt-Laatzen aus. In diesem Nest wurden trotz späten Brutbeginns zwei Jungvögel flügge, so daß erstmals seit 1932 wieder eine erfolgreiche Brut im Bereich Alt-Laatzen verzeichnet werden konnte. Das Nest wurde im Dezember 2006 auf eine angrenzende Fläche auf einen Masten umgesetzt. Im Jahr 2007 unternahm des Storchenpaar einen Neubau auf der Kastanie, während der ca. 50 Meter entfernte Brutmast von einem weiteren Storchenpaar besetzt wurde. Auf der Kastanie wurden drei Jungvögel flügge, auf dem Brutmasten schlüpften zwei Junge, die jedoch von den Altvögeln aufgefressen wurden. Dieses Verhalten, in Notsituationen (z.B. unerfahrenes Brutpaar) bei Weißstörchen nicht ungewöhnlich, wird als Kronismus bezeichnet. Im Jahr 2008 sind beide Nester wieder besetzt. Die Bruterfolge:

2006 2 Jungvögel

2007 3 Jungvögel

Storchennest

Weitere Brutpaare im Bereich der Leineaue

Im Bereich der Wülfeler Wiesen hat sich seit 1992 ein weiteres Storchenpaar etabliert, das 1994 erstmals brütete. Die Bruterfolge schwanken, das dortige Paar war des öfteren Störungen von Spaziergängern ausgesetzt. Weitere erfolgreiche Bruten erfolgten 1997-1999, 2002 und 2004. Seit 2005 war das Nest jedes Jahr besetzt, allerdings bislang ohne Bruterfolg. Es ist nicht auszuschließen, daß derzeit einer der Störche die Geschlechtsreife noch nicht erreicht hat.

In Wilkenburg siedelte sich 1994 ein Storchenpaar auf einer im gleichen Jahr aufgestellten Nisthilfe an. Trotz guter Bedingungen - es war ein Jahr mit später Überschwemmung in der Leineaue - konnten sich das unerfahrene Paar bei der Nahrungssuche nicht gegen das Grasdorfer und das Wülfeler Paar durchsetzen, so daß die Jungvögel im Nest verhungerten. Auf Druck der Naturschutzverbände wurde die privat aufgestellte Nisthilfe wieder abgebaut. Im Zuge dieses Vorfalls kam eine Diskussion über die maximale Tragfähigkeit der Südlichen Leineaue für den Weißstorch auf. Hierbei wird in der Regel von einem Nahrungseinzugsgebiet von 2,5 km Radius um das Nest herum ausgegangen. Bei mehreren Storchenpaaren kann es zu Überschneidungen kommen, die dann mitunter in Kämpfe zwischen den Störchen ausarten können. Das Grasdorfer Paar z.B. verteidigt sein Nest und das umliegende Gebiet vehement gegen "Eindringlinge".


Fotos: Archiv NABU Laatzen (3)

 

 

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