Libellen in der Südlichen Leineaue

Libellen besiedeln schon seit mehr als 300 Millionen Jahren die Erde. In Mitteleuropa sind mittlerweile viele Arten durch Gewässerverschmutzung und Biotopzerstörung selten geworden. Die Larven der Libellen entwickeln sich im Wasser. Nach der Eiablage an Ufer- oder Wasserpflanzen oder in das freie Wasser schlüpfen die Larven, die zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren zur Entwicklung benötigen. Zum Abschluss der Larvenentwicklung kriechen die Larven an Land, die Larvenhaut reißt auf und die Libelle schlüpft. Nach einer Reifungszeit von einigen Tagen werden die Insekten geschlechtsreif. Die Tiere sterben meist nach einigen Wochen, nachdem sie sich gepaart und Eier abgelegt haben.

Frisch geschlüpfte Gemeine Smaragdlibelle, rechts ist die Exuvie (Larvenhülle) zu erkennen (Foto: Jan-Hendrik Paduch)

Frisch geschlüpfte Gemeine Smaragdlibelle,
rechts ist die Exuvie (Larvenhülle) zu erkennen
(Foto: Jan-Hendrik Paduch)

Die südliche Leinaue stellt aufgrund ihrer Biotopvielfalt ein Refugium für viele Libellenarten dar. Im Süden dominieren große Abbaugewässer, die in Folge der Kiesgewinnung entstanden sind sowie die Klärteiche der ehemaligen Rethener Zuckerfabrik die Landschaft entlang der Leine. Nördlich der B443 ist die südliche Leineaue durch große Wiesenflächen sowie Auwaldreste, die vor allem als Koldinger Holz entlang der Alten Leine zu finden sind, geprägt. Eine Besonderheit des Gebietes stellt die heute noch zu beobachtende Dynamik der Aue im Jahresverlauf dar, wie sie früher an allen mitteleuropäischen Flüssen auftrat. Die Leine sorgt dafür, dass besonders im Frühjahr durch Hochwässer eine Vielzahl temporärer Gewässer in der südlichen Leinaue entsteht.

Fließgewässer

Grüne Keiljungfer (Foto: Jan-Hendrik Paduch)

Grüne Keiljungfer (Foto: Jan-Hendrik Paduch)

Eine der ersten Libellen im Jahr an röhrichtreichen Gräben mit geringer Fließgeschwindigkeit und Stillgewässern im Gebiet ist der Frühe Schilfjäger (Brachytron pratense). Das Männchen patroulliert bereits im April lautlos zwischen den Schilfhalmen entlang der Uferlinie auf der Suche nach einem Weibchen hin und her. Die Paarung findet in der Luft statt und dauert meist nur einige Sekunden. Das Weibchen legt anschließend die Eier alleine an Schilfhalmen und -blättern ab.

Bereits ab Mitte bis Ende Mai kann entlang der Leine und der Alten Leine die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) beobachtet werden. Die blau-metallisch schillernden Männchen mit der charakteristischen blauschwarzen Flügelbinde besetzen kleine Reviere entlang der Ufer, die sie energisch gegen Eindringlinge verteidigen. Die Weibchen schillern grün bis bronzefarben. Zur Eiablage taucht das Weibchen sogar unter die Wasseroberfläche ab.

Neuerdings kann im Hochsommer vermehrt die seltene Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus caecilia) im Gebiet nachgewiesen werden. Diese Art reagiert empfindlich auf Gewässerverschmutzung und Wasserbaumaßnahmen. Sie ist in Niedersachsen vor allem an den sauberen Heidebächen zu finden.

Stillgewässer

An den Kiesgewässern sowie den Klärteichen der ehemaligen Zuckerfabrik können typische Stillgewässerarten beobachtet werden. Bereits im Frühjahr lassen sich die Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula), die Gemeine Federlibelle (Platycnemis pennipes), die Große Pechlibelle (Ischnura elegans) sowie die Becher-Azurjungfer (Enallagma cyathigerum), die Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) und die Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion pulchellum) an diesen Gewässern finden. Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) ist die einzige Art in der südlichen Leineaue, die als Vollinsekt überwintert. Die Tiere legen zwischen März und Mai Eier ab. Die Larven der Art entwickeln sich zwischen Mai und September. Die neue Generation schlüpft im Herbst des Jahres. Im Frühjahr kommen der Frühe Schilfjäger (Brachytron pratense), der Plattbauch (Libellula depressa), der Vierfleck (Libellula quadrimaculata) und die Gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea) ebenfalls an diesen Gewässern vor. An Gewässern mit Seerosenbeständen kann im Sommer das Große Granatauge (Erythromma najas) beobachtet werden. An größeren, vegetationsarmen Gewässern patrollieren im Sommer vor allem Männchen der Braunen Mosaikjungfer (Aeshna grandis) sowie der Kleinen und Großen Köngislibelle (Anax parthenope bzw. Anax imperator), die ihr Revier gegen andere Männchen verteidigen und gleichzeitig nach Weibchen Ausschau halten.

 Becher-Azurjungfer (Foto: Jan-Hendrik Paduch)

Becher-Azurjungfer (Foto: Jan-Hendrik Paduch)

Große Königslibelle bei der Eiablage (Foto: Jan-Hendrik Paduch)

Große Königslibelle bei der Eiablage (Foto: Jan-Hendrik Paduch)

Eine Charakterart der Kiesseen stellt der große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) dar. Die Tiere sitzen oft auf den Wegen, um sich in der Sonne aufzuwärmen.

Im Sommer treten vor allem an älteren Abbaugewässern mit Gehölzbestand am Ufer Weidenjungfern (Lestes viridis) auf. Die Tiere legen ihre Eier in der Rinde von Zweigen ab, die über das Wasser ragen. Im April des Folgejahres schlüpft die Larve und lässt sich in das Wasser fallen, um sich dort weiterzuentwickeln. Derartige Gewässer bevorzugt auch die Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica) im Gebiet der südlichen Leineaue.

Im Hochsommer und Frühherbst jagen oft große Gruppen der Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta) an den Dämmen der Klärteiche und an Gebüschsäumen des Koldinger Holzes nach Insekten.
Die Gemeine und die Große Heidelibelle (Sympetrum vulgatum bzw. Sympetrum striolatum) lassen sich bis zu den ersten starken Frösten finden, so dass bis Anfang Dezember Libellenbeobachtungen möglich sind.

In den letzten Jahren haben sich die früher weiter südlich verbreiteten Arten Pokal-Azurjungfer (Erythromma lindenii), das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum), die Kleine Köngislibelle (Anax parthenope), die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) und die Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii) auch in der südlichen Leineaue ausgebreitet. Wahrscheinlich ist dies eine Folge des Klimawandels.

Temporärgewässer

Einige Arten der Auengebiete sind auf Gewässer angewiesen, die im Jahresverlauf austrocknen oder durch starke Wasserstandschwankungen geprägt sind. Dazu zählen die Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum), die Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas) und die wärmeliebende Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus). Alle Arten lassen sich im Hochsommer beobachten. Die Häufigkeiten können jedoch von Jahr zu Jahr stark schwanken. In niederschlagsarmen Jahren ohne Hochwässer sind die Arten nur selten zu finden, da die für die Entwicklung der Larven notwendigen Gewässer fehlen. Um auch kurzes Austrocknen zu überstehen, vergraben sich die Larven im feuchten Gewässergrund.

Südliche Binsenjungfer (Foto: Jan-Hendrik Paduch)

Südliche Binsenjungfer (Foto: Jan-Hendrik Paduch)

Wer sich mit Libellen beschäftigen möchte, findet in der südlichen Leineaue ein Rückzugsgebiet für diese prächtigen Insekten, in dem lohnende Exkursionen möglich sind. Libellen lassen sich vor allem zwischen Mai und September an den Ufern der Kiesteiche sowie an Gebüschsäumen, an denen diese schönen Tiere kleine Insekten jagen, beobachten.

 

 

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